Greifvögel
Seit dem Jahr 1975 beteiligt sich der Arbeitskreis an der landesweit durchgeführten Kartierung der bei uns vorkommenden Greifvogelarten, um auch auf diesem Gebiet genauere Daten über ihr Vorkommen und die Bestandsentwicklung zu erhalten. Von den Arbeitskreismitgliedern Siegfried Feuerbaum, Fritz Angerstein und Thorsten Prall wurden folgende Greifvogelarten im Raum Lünen ermittelt: Mäusebussard, Turmfalke, Baumfalke, Wanderfalke, Habicht, Sperber, Wespenbussard, Rohrweihe und Rotmilan. Das Vorkommen des Rotmilans ist mittlerweile erloschen. Leider werden immer noch Greifvögel illegal verfolgt, vor allem durch Abschuss oder Vergiftung getötet. Manchmal werden auch die besetzten Nester durchschossen, Bäume, auf denen sich die Nester befinden, gefällt oder in unmittelbarer Nähe Hochsitze errichtet. Unter den Verfolgungsmaßnahmen hat besonders der Habicht zu leiden. Sein Bestand hat im Raum Lünen in den letzten Jahren drastisch abgenommen.
Der Turmfalke
Rüttelndes Weibchen Foto M. Wenner
Der Turmfalke wird auch Rüttelfalke genannt, weil er an einer Stelle in der Luft verweilen und damit Mäuse besser erspähen kann. Man sagt dann, der Turmfalke "rüttelt".
Wie einige Eulenarten leidet auch der Turmfalke unter Brutplatzmangel. Wie die Bestandsentwicklung zeigt, kann ihm durch das Anbringen geeigneter Brutkästen geholfen werden.
Von den im Jahr 2007 vorhandenen 23 Brutkästen, die alle Horst Napierski gebaut und angebracht hat, waren 2008 11 besetzt. 13 Turmfalken brüteten in Schleiereulenkästen.
Im Jahr 2009 waren es 20 Paare mit 72 Jungen.
2010 waren standen 28 Brutkästen zur Verfügung, von denen 14 besetzt waren. 62 Jungvögel wurden aufgezogen. 5 Brutpaare brüteten in Schleiereulenkästen und zogen 22 Jungvögel auf.
2011 brüteten 28 Paare. Sie zogen 107 Jungvögel auf. Davon brüteten 9 Paare in Schleiereulenkästen.
Männchen Foto M. Wenner
Das Männchen hat im Gegensatz zum Weibchen einen grauen Kopf.
Nistkasten für Turmfalken
In diesem Nistkasten auf dem Hof Schulze-Altkappenberg flogen 2011 5 junge Turmfalken aus.
Foto: H. Knüver
Der Wanderfalke
Der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt. Auf seine Beute, die er im Flug ergreift, stürzt er sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h. Dieser rasante Flieger drohte auszusterben.
Im Jahr 1975 gab es in der Bundesrepublik nur noch 40 bis 50 Brutpaare, die sich auf die Länder Bayern und Baden-Württemberg verteilten. In Nordrhein-Westfalen war der Bestand bereits erloschen. Die
Hauptursache des dramatischen Rückgangs war das in der Landwirtschaft eingesetzte Pflanzengift DDT. Durch ihre Beutetiere nahmen die Falken auch das DDT auf. Dadurch wurden die Eier dünnschalig und
zerbrachen schon vor dem Schlüpfen der Jungvögel. Hinzu kam die illegale Entnahme der Eier bzw. der Jungvögel aus dem Nest. Der Wanderfalke erfreut sich nicht nur in den arabischen Ländern als
Jagdfalke großer Beliebtheit. Eine Besserung der Situation trat nach dem DDT-Verbot und der Bewachung der Brutplätze ein. Die noch vorhandenen Brutplätze im süddeutschen Raum wurden Tag und Nacht
bewacht. An dieser Aktion beteiligten sich ab 1984 auch Mitglieder des Arbeitskreises.
Der Wanderfalke ist normalerweise ein Felsenbrüter. Überraschenderweise akzeptiert er aber auch hohe Gebäude als „Ersatzfelsen“. Deswegen konnte ihm auch in NRW gut geholfen werden, indem man an hohen Kaminen und anderen Gebäuden geeignete Brutkästen anbrachte.
Mitte Oktober 1996 wurde auf Initiative von Horst Napierski ein Brutkasten für die Wanderfalken am Kamin der STEAG angebracht. Ab 1999 brütet das Paar jedes Jahr erfolgreich und zog in dieser Zeit eine beachtliche Anzahl von Jungvögeln auf.
Das Lüner Wanderfalkenpaar zog 2011 drei Jungvogel auf.
Wanderfalkenentwicklung 2010 in Nordrhein-Westfalen
Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz brüteten im Jahr 2010 in Nordrhein-Westfalen 146 Wanderfalkenpaare. Der Brutbestand hat sich gegenüber 2009 um 11 Paare erhöht. Sie zogen
insgesamt 248 Jungvögel auf. Bei unserem Lüner Wanderfalkenpaar flogen 3 Jungvögel aus.
Brutbestandsaufnahme der übrigen Greifvögel 2010
In jedem Frühjahr wird von Anfang März bis Mitte August eine Kartierung und eine Brutbestandsaufnahme durchgeführt, und zwar auf einer Fläche von ca. 128 qkm.
Insgesamt sind es 7 Greifvogelarten, die von der Arbeitsgruppe erfasst werden- mit Ausnahme des Turmfalken und des Wanderfalken (gesonderte Ergebnisse siehe oben).
Habicht:
Drei Habichtreviere vom Vorjahr waren nicht mehr besetzt. Die Ursache ist wahrscheinlich in illegaler Bejagung zu suchen.
Von den 5 nachgewiesenen Brutpaaren brüteten 4 mit Erfolg, Insgesamt kamen 10 Junge zum Ausfliegen.
Sperber:
Der Sperber konnte nicht systematisch erfasst werden. Es wurden aber 2 Brutpaare bemerkt von denen eins mit Erfolg 3 Junge aufzog.
Mäusebussard:
Insgesamt wurden 15 Brutpaare auf 2 Quadranten ermittelt, davon brüteten 13 Paare erfolgreich.
Bei 2 Brutpaaren wurde der Horstbaum bei forstlichen Arbeiten gefällt.
Das Jahr 2010 war ein gutes Mäusejahr, deshalb konnten 2x1, 10x2 und 1x3 Junge gezählt werden.
Wespenbussard:
Wie schon in den letzten 5 Jahren konnte auch diesmal kein Brutpaar des Wespenbussards mehr ermittelt werden. Es gab jedoch mehrere Sichtbeobachtungen im Raum Netteberge und Bergkamen.
Baumfalke:
Trotz intensiver Suche in den bekannten Brutrevieren ist es das erste Mal, dass kein Brutpaar im Bereich des Messtischblatts 4311 gefunden wurde.
Rotmilan:
Zum zweiten Mal nach 20 Jahren konnte wieder ein Brutnachweis auf unserem Gebiet erbracht werden. Nachdem 2008 in Netteberge ein Brutpaar nachgewiesen wurde, gab es diese Jahr einen Brutversuch in der Lippeaue zwischen Lünen und Bergkamen. Die Brut blieb ohne Erfolg, vermutlich wurde sie wegen menschlicher Störung abgebrochen.
Rohrweihe:
Es konnten wieder 2 Brutpaare der Rohrweihe festgestellt werden. Beide Paare brüteten in der Lippeaue zwischen Lünen und Bergkamen erfolgreich. Insgesamt kamen 4 Junge zum Ausfliegen.
Brutbestandsaufnahme der übrigen Greifvögel 2011
Habicht:
Der Bestand des Habichts ist nach wie vor schlecht, wir vermuten illegele Bejagung.
Nur noch 3 Brutpaare konnten von der Arbeitsgruppe nachgewiesen werden, alle drei brüteten mit Erfolg: 1x2 Junge, 2x3 Junge, insgesamt kamen also 8 Junge zum Ausfliegen.
Sperber:
Bei der Erfassung der Sperberbruten konnten wir beobachten, dass die traditionellen Sperberreviere wie z.B. Stangengehölze, Fichten- und Lärchenschonungen stark durchforstet werden und darum dort keine Bruten mehr festzustellen waren. Der Sperber hat seine Brutstrategie verändert nud ist nicht mehr so leicht zu erfassen. So wurden 2011 auch nur 2 Brutpaare ermittelt mit 1x2 und 1x3 Jungen.
Mäusebussard:
IDie Zahl der Brutpaare ist von 13 auf 11 zurückgegangen. Die Verlustrate ist vermutlich durch gezieltes Fällen eines Horstbaumes und duch den lang anhaltenden Winter mit einer geschlossenen Schneedecke verursacht worden. Es wurden 6x1 Junges und 5x2 Junge gezählt, die auch zum Ausfliegen kamen.
Wespenbussard:
Wie schon in den letzten 6 Jahren konnte auch diesmal kein Brutpaar des Wespenbussards mehr ermittelt werden. Es gab jedoch mehrere Sichtbeobachtungen im Raum Werne und Bergkamen.
Baumfalke:
Erfreulich ist, dass in diesem Jahr wieder 4 Brutpaare festgestellt werden konnten, davon brüteten 3 mit Erfolg.
Es kamen 5 Junge zum Ausfliegen: 1x1 und 2x2.
Rotmilan:
Erfreulich ist, dass nach 2 erfolglosen Bruten in den jahren 2008 und 2010 nach 21 Jahren wieder ein Rotmilanpaar im Raum Cappenberg mit Erfolg gebrütet hat. 2 Junge kamen zum Ausfliegen.
Rohrweihe
Von der Rohrweihe wurde im Jahr 2011 nur 1 Brutpaar im Raum Alstedde ermittelt. Die Brut verlief 2-3 Wochen später als normal, 2 Junge kamen zum Ausfliegen.
