Überlebenshilfe für den Steinkauz
Fotos B.Glüer
Der Steinkauz ist unsere kleinste heimische Eulenart. Er ist ein Höhlenbrüter, der gern in Höhlen von Kopfweiden brütet. Genauso wie die Schleiereule leidet der Steinkauz unter Brutplatzmangel. Auch ihm kann durch das Anbringen von Brutröhren, die vor allem auf Seitenästen alter Bäume befestigt werden, geholfen werden. Mittlerweile wurden 106 Brutröhren in alten Obstwiesen oder anderen geeigneten Stellen im Siedlungsbereich angebracht. Die Beschlagnahme durch den Steinkauz lässt meistens nicht lange auf sich warten. Die Bestandsentwicklung ist mittlerweile sehr erfolgreich verlaufen, wie die nachfolgenden Zahlen belegen (auch wenn sie in diesem Jahr wegen des lang andauernden Winters etwas abgesunken sind).
Im Jahr 2010 waren in 103 kontrollierten Brutöhren 38 Brutpaare mit 121 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 3,2 Junge pro Brut.
3 Brutpaare brüteten in Schleiereulenkästen, davon 1 Paar erfolgreich mit 3 Jungvögeln.
Im Jahr 2011 waren in 91 kontrollierten Brutröhren 35 Brutpaare mit 101 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 2,9 Junge pro Brut.
Naturhöhle in einer Kopfweide Naturhöhle in einem Apfelbaum
Anbringen einer Steinkauzröhre
Ein Tag als "Eulen-Kontrolleur" (2010)
StartMorgens um 9.00 Uhr geht's los
mit einer Ausziehleiter auf dem
Dachgepäckträger. Wir sind zu zweit.
Heute sollen Schleiereulenkästen
und Steinkauzröhren kontrolliert
werden, um den Bruterfolg
festzustellen.
Die meisten Nistkästen für Schleiereulen sind auf Dachböden alter Bauernhöfe oder Scheunen angebracht, an deren Giebel man noch das traditionelle Eulenflugloch findet. Da manche hoch oben unter dem Dachfirst hängen, ist schon mal Akrobatik nötig, wenn die Leiter nicht aufgestellt werden kann oder zu kurz ist. Horst Napierski meistert soiche Klettertouren mit 75 Jahren noch souverän.
Alter Hof Einflugloch mit Kotspritzer Einsatz auf dem Dachboden
Im ersten Kasten haben wir sofort Glück! 5 kleine Wollbällchen mit Eulengesichtern schauen uns an. Die Jungen sind ca. 3 1/2 Wochen alt und alle wohlgenährt.
Beim nächsten Kasten verlässt ein Altvogel fluchtartig den Dachboden und schwingt sich unmutig in den hellen Tageshimmel. Im Kasten liegen nur 3 tote Mäuse und einige Gewölle.
Im folgenden Bauernhof finden wir nur zwei kalte Euleneier. "Daraus wird nichts mehr!", erklärt mir "Eulenvater" Horst Napierski.
Aber insgesamt sieht's doch besser aus, wir zählen an diesem Mittwoch bei 3 Brutpaaren 16 Junge.
Eier Gewölle junge Schleiereule
Eine Turmfalkenfamilie hat sich im Kasten breit gemacht!
Die Steinkauzröhren können wir oft neben den Höfen gleich mit kontrollieren. Häufig hat Horst sie an den unteren Ästen der alten Hof-Eichen angebracht oder auf nahen Viehweiden
an Obstbäumen befestigt, die der Steinkauz auch gerne als Ansitz benutzt.
Am Ende der Röhre hat sich oft ein Berg von "Schiet" angesammelt, der erstmal rausgekratzt werden muss. Wenn es dafür zu eng ist, müssen wir manchmal einzelne Jungvögel für kurze Zeit in den Eimer
setzen, den Horst mit Holzschnitt gefüllt hat. Als "Streu" werden davon einige Handvoll auf dem Boden der gereinigten Niströhre verteilt. In einer Röhre starrt uns der Altvogel, der bei
seinen Jungen sitzt, erstaunt an, bleibt aber ruhig sitzen.
Säubern der Steinkauzröhre Junger Steinkauz
Manchmal rauben Marder die Brut und richten sich in der Höhle häuslich ein. Unangenehm kann's werden, wenn einen beim Öffnen der Röhre ein Schwarm Hornissen begrüßt. Aber diesmal geht alles
glimpflich ab. Wir zählen an diesem Tag insgesamt 20 Junge beim Steinkauz. Um 17.00 Uhr machen wir Schluss.
Es ist ein gutes Mäusejahr. Vielleicht gibt es noch einige Nachbruten?
zuklappen
Welch ein Blick!
